Ein Dorf will unabhängig werden, Pressebericht Gießener Allgemeine
(Artikel Gießener Allgemeine vom 27.09.2025, von Constantin Hoppe)
Freienseen könnte sich durch das Nahwärmenetz autark und umweltschonend mit Wärmeenergie versorgen. ARCHIV © Manfred Henss
Laubach (con). Es könnte ein Projekt mit Vorbildcharakter werden: Die Rede ist von der Nahwärme-Initiative in Freienseen, die ein Konzept zur Versorgung des Dorfes mit erneuerbaren Energien auf die Beine stellen möchte - zentral für den gesamten Ort.
Die Idee ist nicht neu. Schon vor über zehn Jahren hatte Ulf Häbel - Ideengeber und Triebkraft hinter vielen Projekten im Dorf, darunter die Dorfschmiede - ein solches Vorhaben im Sinn. Seit rund zweieinhalb Jahren wird es jedoch deutlich intensiver verfolgt. Die Initiative besuchte andere Energiedörfer, um Erfahrungen zu sammeln, und gewann mit der Energiegenossenschaft Vogelsberg (EVG) einen Partner, der über seine Tochter Vobeg den Bau eines nachhaltigen Nahwärmenetzes plant. Im Mai wurde das Projekt bei einer Infoveranstaltung ausführlich vorgestellt.
Die genossenschaftlich organisierte Wärmeversorgung soll über eine Kombination aus Solarstrom, Luft/Wasser-Wärmepumpen und einem Biomassekessel erfolgen. Stromspeicher liefern die nötige Energie für die Wärmepumpen, während der Biomassekessel mit regionalen Holzhackschnitzeln betrieben wird.
Damit könnte Freienseen künftig umweltfreundlich und weitgehend unabhängig von Energieträgern wie Öl oder Gas mit Nahwärme versorgt werden. »Wir haben hier die Chance, das Dorf mit kostengünstiger Wärmeenergie zu versorgen und zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten«, erklärt Häbel. Unterstützung erhält die Initiative auch von der Stadt Laubach. Freienseen könnte so zum Vorbild für andere Stadtteile werden - über die Grenzen der Stadt hinaus.
Während bisher vor allem die Initiative selbst die Arbeit getragen hat, will sich nun auch der Ortsbeirat stärker einbringen. Ab dem 6. Oktober möchte er die Haushalte vor Ort aufsuchen und für den Umstieg auf das neue Energiesystem werben. Denn ohne eine ausreichend große Beteiligung lässt sich das Projekt nicht umsetzen.
Ziel ist es, etwa die Hälfte der rund 320 Haushalte in Freienseen zu gewinnen. Wenn sich 176 Abnehmer fänden, müsste jeder eine Erstinvestition von etwa 10 000 Euro leisten, hinzu käme ein monatlicher Grundpreis zwischen 30 und 102 Euro - je nach Haushaltsgröße. Je mehr Haushalte sich beteiligen, desto günstiger wird es für den Einzelnen. »Das klingt zunächst nach viel Geld, aber allein in Freienseen gibt es rund 80 Ölheizungen, die älter als 20 Jahre sind und ohnehin bald ersetzt werden müssen«, sagt Ortsvorsteher Hermann Hermanski.
Die Kosten für eine neue Heizung könnten somit direkt in einen Hausanschluss für die Nahwärme fließen. »Bis Ende des Jahres wollen wir wissen, wer mitmacht, um die nächsten Schritte zu planen«, ergänzt Häbel.
Während bisher vor allem die Initiative selbst die Arbeit getragen hat, will sich nun auch der Ortsbeirat stärker einbringen. Ab dem 6. Oktober möchte er die Haushalte vor Ort aufsuchen und für den Umstieg auf das neue Energiesystem werben. Denn ohne eine ausreichend große Beteiligung lässt sich das Projekt nicht umsetzen.
Ziel ist es, etwa die Hälfte der rund 320 Haushalte in Freienseen zu gewinnen. Wenn sich 176 Abnehmer fänden, müsste jeder eine Erstinvestition von etwa 10 000 Euro leisten, hinzu käme ein monatlicher Grundpreis zwischen 30 und 102 Euro - je nach Haushaltsgröße. Je mehr Haushalte sich beteiligen, desto günstiger wird es für den Einzelnen. »Das klingt zunächst nach viel Geld, aber allein in Freienseen gibt es rund 80 Ölheizungen, die älter als 20 Jahre sind und ohnehin bald ersetzt werden müssen«, sagt Ortsvorsteher Hermann Hermanski.
Die Kosten für eine neue Heizung könnten somit direkt in einen Hausanschluss für die Nahwärme fließen. »Bis Ende des Jahres wollen wir wissen, wer mitmacht, um die nächsten Schritte zu planen«, ergänzt Häbel.
Nach einer Vorstudie der EVG würde die Umsetzung rund 13 Millionen Euro kosten. Zur Finanzierung stehen jedoch auch staatliche Fördermittel bereit.